Frage: Weshalb ist der Engelstrompetenkonsum grundsätzlich problematisch?
Der berühmte Satz von Paracelsus, ein Arzt und Philosoph zugleich, nennt in einfachen Worten die Gefahr, die mit der Dosierung jeder Substanz einhergeht: „Alle Dinge sind Gift; aber allein die Dosis macht, dass ein Ding (k)ein Gift ist.“ Das gilt für alle Drogen, auch für Biodrogen. Im Falle der Engelstrompete ist es grundsätzlich unmöglich eine erwünschte Dosis abzuschätzen.
Weiterhin ist die so genannte „therapeutische Breite“ der Engelstrompete sehr gering. Was heißt das? Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass der Abstand einer Dosis, die den erwünschten Rausch erzeugt, zu der Dosis, die eine tödliche Atemlähmung auslöst, sehr gering ist. Und es wird immer bedenklicher, denn noch geringer ist der Abstand zwischen erwünschtem Rausch und akuter Psychose (= Realitätsverlust), die sehr wohl lebensgefährlich sein kann. Es ist bekanntermaßen dieser Realitätsverlust, der indirekt den Tod verursacht, weil sich der User ungewollt in tödliche Situationen begibt. Ungeachtet des Dosierungsproblems, sollte auch die schwankende Empfindlichkeit des Konsumenten auf die Droge zu bedenken geben.
Antwort: Dosis nicht abschätzbar + therapeutische Breite gering = gefährliches Gift
Eintritt, Art, Heftigkeit und Dauer der Wirkung sind bei jedem Konsum ungewiss und unkontrollierbar, deswegen ist die Engelstrompete eher eine unattraktive „Biodroge“. Die Gefahr einer Suchtentwicklung ist gering, kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Vor allem bei Konsumenten, die bereits einen bedenklichen Alkohol- oder Betäubungsmittelkonsum „pflegen“, ist Vorsicht geboten.
Merke: Die Engelstrompete ist nicht dosierbar. Bei einer Überdosierung hilft es Dir dann auch nicht mehr, wenn Du die Engelstrompete mit einem selbst gepflückten Naturheilkraut verbindest. Oft endet der Engelstrompetenkonsum mit einer Notfallbehandlung im Krankenhaus.
Fakten & Zahlen
In Medienberichten wird immer wieder von einer größeren Verbreitung des Konsums sogenannter Biodrogen gesprochen. Zahlen zum Konsum von psychoaktiven Nachtschattengewächsen wie Engelstrompete liegen allerdings nicht vor.
Literatur
Hochreuther, S.; Cuneo, A.; Härtel, D.; Brockmeier, J.; Götz, J.; Tebbe, U. (2009). Zentral anticholinerges Syndrom. Akzidentelle Vergiftung mit Engelstrompete – ein Fallbericht. Intensivmedizin und Notfallmedizin, 47(3), 211-214
Niess, C.; Schnabel, A.; Kauert, G. (1999). Angel trumpet: a poisonous garden plant as a new addictive drug?, Deutsche Medizinische Wochenschrift, 124(48), 1444-1447
Winckelmann, U.; Lübke, G.; Brockstedt M.; Schanz, I.; Dechent J.; Weber, J.; Albani, M. (2000). Anticholinerges Syndrom nach Ingestion von Tee aus Engelstrompetenblüten. Monatsschrift Kinderheilkunde, 148(1), 18-22
http://www.erowid.org/lang/de/drug_reference/hyoscyam.shtml (abgerufen am: 28.01.2011)
http://www.erowid.org/lang/de/drug_reference/scopolam.shtml (abgerufen am: 28.01.2011)