Medikamente

Aufputschend wirkende Substanzen (Stimulantien) z.B. Ritalin®, Medikinet® oder Concerta®
Schlaf- und Beruhigungsmittel z.B. Tavor®, Valuim® Rohypnol®, Sonata®, Stilnox®
Stimmungsaufhellende und angstlindernde Medikamente (Antidepressiva) z.B. Trevilor®, Remergil®, Aponal®
Hustenstiller und Schmerzmittel (sogenannte Analgetika) z.B. Valoron N®, Dicodid®, Codipront®, DXM

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Medikamente enthalten ganz unterschiedliche chemische Substanzen und haben daher auch ganz verschiedene Wirkungen. Viele Medikamente haben überhaupt keinen Einfluss auf die menschliche Psyche (sie sind nicht psychoaktiv). Diese werden hier nicht behandelt, da sie nicht als „Drogen“ im engeren Sinn zu verstehen sind. Nach Angaben der DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen) besitzen etwa 5-6% aller verordneten Medikamente ein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial.
Nicht genannt werden in diesem Text einerseits solche Medikamente die zwar missbraucht werden aber keine Rauschwirkung haben (z.B. Missbrauch von Abführmitteln durch Magersüchtige). Andererseits auch nicht die Anabolika (vor allem sogenannte anabole Steroide), welche beim Doping im Sport und besonders von Bodybuildern konsumiert werden. Zwar ist der Konsum solcher Stoffe sehr riskant, eine eigentliche Rauschwirkung haben sie aber nicht.
Im Folgenden wird nur auf solche Medikamente eingegangen bei welchen bekannt ist, dass sie von Menschen auch ohne ärztliche Verordnung oder medizinischer Notwendigkeit (aufgrund einer Krankheit) konsumiert werden. Sie werden also wegen ihrer psychischen Wirkungen (z.B. Rauschwirkung oder leistungssteigernde Effekte) konsumiert. Dies sind aufputschende Substanzen (Stimulantien), Schlaf- und Beruhigungsmittel, stimmungsaufhellende Medikamente (Antidepressiva), Hustenstiller und Schmerzmittel (Analgetika).
Manche der hier genannten Substanzen lassen sich auch gar nicht eindeutig nur einer einzigen Medikamentengruppe zuordnen. So werden zum Beispiel manche Antidepressiva auch für die Behandlung von Schmerzen verwendet und manche Schmerzmittel können zugleich auch Hustenstiller sein. Das liegt ganz einfach daran, dass die hier genannten Substanzen häufig verschiedene Wirkungen haben.
Bei den meisten der hier genannten Medikamente handelt es sich um relativ neue Substanzen, das heißt, sie haben in der Regel keine lange Geschichte, was ihre Verwendung als Rauschmittel angeht. Einige der genannten Medikamente werden aber (oft in anderer Form) schon lange in der Medizin verwendet wie zum Beispiel Opiate (Substanzen aus der Schlafmohnpflanze).
Was die rechtliche beziehungsweise gesetzliche Regelung angeht, so kann man zunächst zwischen verschreibungspflichtigen und apothekenpflichtigen Medikamenten unterscheiden. Verschreibungspflichtige Medikamente sind in der Apotheke nur mit ärztlicher Verordnung zu bekommen, apothekenpflichtige Medikamente sind dort dagegen ohne Rezept zu bekommen. Schließlich gibt es auch frei verkäufliche Medikamente (außerhalb von Apotheken erhältlich).

Wirkungen & Risiken

Da es sich bei Medikamenten um chemisch betrachtet ganz unterschiedliche Stoffe handelt, ist es schwierig allgemeingültige Aussagen über die Wirkungen und Risiken zu machen. Dennoch soll hier ein kurzer Überblick gegeben werden:
Wie bei allen Drogen ist die Wirkung abhängig von der Dosis (wie viel wird genommen?), Wirkstoffgehalt (wie stark?), Gewöhnung des Konsumenten (wie viel jemand verträgt) aber auch vom Umfeld des Konsums (zuhause, in der Disco, alleine oder mit anderen zusammen usw.) und der psychischen Verfassung (z.B. momentane Stimmung).

Aufputschend wirkende Substanzen (Stimulantien): Hier sind zunächst Amphetamine und damit verwandte Substanzen zu nennen, welche auch in verschiedenen Medikamenten verwendet werden. Beispielsweise sind sie in Appetitzüglern, in Grippe- und Asthmamitteln sowie in Medikamenten zur Behandlung von Aufmerksamkeitsschwäche bei überaktiven Kindern enthalten. Hier wurde in den Medien (Zeitungen und Fernsehen) vor allem die Substanz Methylphenidat in Medikamenten wie Ritalin®, Medikinet® oder Concerta® und anderen bekannt. Es gibt aber auch noch zahlreiche weitere Medikamente welche andere aufputschend wirkende Substanzen enthalten wie z.B. Ephedrin oder Coffein. Coffein ist nicht nur in grünem /schwarzen Tee oder Kaffee enthalten, sondern auch in Guaranaprodukten, welche auch in Drogerien verkauft werden. Während coffeinhaltige Medikamente relativ harmlos sind, haben solche Medikamente, welche Amphetamine und damit verwandte Substanzen enthalten deutlich mehr Risiken. Zu Wirkungen und Risiken von Stimulantien siehe auch: LINK

Schlaf- und Beruhigungsmittel: Auch in diese Kategorie gehört eine Vielzahl von verschiedenen Substanzen von denen nicht alle hier erwähnt werden. Gemeinsam ist aber den verschiedenen Medikamenten dieser Gruppe, dass sie beruhigend, schlaffördernd und meistens auch angstlindernd wirken. Am bekanntesten sind vielleicht die sogenannten Benzodiazepine (z.B. Valium®, Tavor® oder Rohypnol®). Sie ersetzten teilweise die in der Medizin früher viel häufiger verwendeten Barbiturate (z.B. Luminal®), da diese relativ schnell zu tödlichen Überdosierungen führen können, insbesondere in der Kombination mit Alkohol. Heute werden immer häufiger sogenannte „Z-Drugs“ als Schlaf- und Beruhigungsmittel verwendet (z.B. Sonata®, Stilnox®). Das sind benzodiazepin-ähnliche Substanzen, die zunächst als weniger süchtig machend galten. Mittlerweile wird aber davon ausgegangen, dass auch diese abhängig machen können. Zu den typischen Nebenwirkungen und Risiken von Schlaf- und Beruhigungsmitteln gehören Bewegungsstörungen (Torkeln), Sprachstörungen („Lallen“ ähnlich wie bei Alkohol), Erinnerungslücken, körperliche und psychische Abhängigkeit.

Stimmungsaufhellende und angstlindernde Medikamente (Antidepressiva): In diese Kategorie gehören verschiedene Substanzen, welche eher seltener als „Drogen“ im engeren Sinne gebraucht werden. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass die meisten dieser Substanzen keine sehr starken unmittelbaren Effekte auf die menschliche Psyche haben (außer einer manchmal recht ausgeprägten Müdigkeit oder Benommenheit). Einen richtigen „Rauschzustand“ erzeugen diese Substanzen jedoch nicht. In der Medizin werden sie vor allem bei der Behandlung von Depressionen und Angststörungen verwendet. Seltener auch zur Behandlung von Essstörungen wie Bulimie oder anderen psychischen Erkrankungen. Antidepressiva (z.B. Trevilor®, Remergil®, Aponal®) erzeugen keine Abhängigkeit auch wenn einige dieser Substanzen beim plötzlichen Absetzen nach längerer täglicher Einnahme Entzugserscheinungen hervorrufen können.

Hustenstiller und Schmerzmittel (sogenannte Analgetika): Hierzu zählen vor allem Opiate (Inhaltsstoffe aus der Schlafmohnpflanze oder auch chemisch hergestellte ähnliche Substanzen, die man Opioide nennt. Dicodid® ist ein Beispiel für ein Medikament welches sowohl in der Schmerztherapie als auch als Hustenstiller verwendet wird. Als Droge (d.h. zum Berauschen) verwendet werden vor allem morphin- und codeinhaltige Medikamente. Diese sind wegen dem hohen Suchtpotenzial teilweise nur über ein sogenanntes Betäubungsmittelrezept vom Arzt zu verschreiben (solche Rezepte unterliegen höheren Kontrollen). Als Droge konsumiert wird auch das Schmerzmittel Tilidin (z.B. im Medikament Valoron N®). Die meisten dieser Medikamente haben die für Opiate (z.B. Heroin) typischen Wirkungen: z.B. Euphorie (Stimmungssteigerung), Angstlinderung, Selbstwertsteigerung. Und auch die Risiken sind die gleichen: Psychische und körperliche Abhängigkeit, Atemstillstand und Tod bei Überdosierung. (Zu Opiaten siehe auch: LINK)
Es gibt allerdings auch noch Hustenstiller, welche ebenfalls als Droge gebraucht werden aber zu den Halluzinogenen (Drogen welche die Wahrnehmung stark verändern können) gehören. Ein Beispiel hierfür ist die Substanz Dextrometorphan (auch DXM genannt), welche in Medikamenten wie Hustenstiller Ratiopharm® oder auch Tuss Hustenstiller Retardkapseln® (Dr. Rentschler Arzneimittel) enthalten ist. Diese wirkt bei Überdosierung stark berauschend (Zu Halluzinogenen siehe auch: LINK). Mit dem Konsum größerer Mengen (welche zum Erzeugen eines Rauschzustandes ja nötig sind) sind einige Risiken verbunden wie Übelkeit, Erbrechen, Hautreizungen mit Juckreiz, Gangstörungen. Die Substanz verursacht in der für einen Rauschzustand nötigen Überdosierung Nervenschädigungen im Gehirn. Es sind Todesfälle beschrieben worden, welche aber vermutlich vor allem auch auf sogenannte Mischpräperate (enthalten mehrere Wirkstoffe z.B. auch Paracetamol) zurückzuführen sind.

Allgemeine Anmerkungen zum Gebrauch von Medikamenten als Droge (z.B. zur Leistungssteigerung oder zum Erzeugen von Rauschzuständen):
Grundsätzlich gelten für Medikamente sehr strenge gesetzliche Bestimmungen, was die Herstellung und damit die Dosierung und Reinheit (Ausschluss von Verunreinigungen) angeht. Das macht sie zunächst einmal sicherer als illegal auf dem Schwarzmarkt gehandelte Drogen wie z.B. Ecstasy. Aber auch Medikamente (z.B. Schlafmittel wie Rohypnol® oder codeinhaltige Medikamente) werden auf dem Schwarzmarkt gehandelt, wobei das Risiko wiederum steigt, wenn sie zum Beispiel ohne Originalverpackung, Mindesthaltbarkeitsdatum oder aus unklarer Quelle z.B. über das Internet angeboten werden. Gerade für solche, auf dem Schwarzmarkt gehandelten Substanzen unklarer Herkunft gilt, dass sie bezüglich der Inhaltsstoffe und der Dosierung hohe Risiken haben können.

Viele der oben genannten Medikamente werden von Konsumenten, die sie als Droge verwenden gezielt zusammen mit Alkohol konsumiert. Die damit verbundenen Wirkungen (sogenannte Wechselwirkungen) sind häufig nicht absehbar und können unter Umständen auch lebensbedrohlich sein!

Medikamente und Straßenverkehr

Viele Medikamente schränken die Fahrtauglichkeit ein. Da die oben aufgeführten Medikamente sehr unterschiedlich wirken, können hier keine allgemeinen Aussagen gemacht werden. Die Hersteller von Medikamenten sichern sich in der Regel durch eine Standardformulierung im Beipackzettel ab, in welcher darauf hingewiesen wird, dass auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit beeinträchtigt sein kann, dass Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich werden können. Dies kann im Falle eines Unfalls sehr negative Konsequenzen haben (z.B. Verlust des Versicherungsschutzes). Grundsätzlich kann bei Verdacht auf Missbrauch oder Abhängigkeit von Medikamenten eine MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) angeordnet werden. Manche Beruhigungs- und Schlafmittel werden auch von den gängigen Urin-Schnelltests erfasst. Dies gilt auch für Schmerzmittel, welche Opiate enthalten. Medikamente, welche den Inhaltsstoff Methylphenidat (siehe oben unter Stimulantien) enthalten, können beim Drogen-Screening durch die Polizei fälschlicherweise als Amphetaminkonsum („Speed“) erkannt werden.

Wie bei jeder Droge gibt es auch für Medikamente verschiedene Umgangsformen damit:

Gebrauch

In diese Kategorie gehört eine medizinische Verwendung (das heißt es liegt ein medizinischer Behandlungsgrund wie z.B. eine Krankheit vor) von: 1. Aufputschend wirkenden Substanzen (Stimulantien) z.B. bei Aufmerksamkeitsschwäche, bestimmten Lungenerkrankungen und Schlafstörungen 2. Schlaf- und Beruhigungsmitteln z.B. bei Schlafstörungen, Epilepsie, Angststörungen oder zum Entspannen der Muskeln 3. Stimmungsaufhellenden und angstlindernden Medikamente (Antidepressiva) z.B. bei Angst- oder Zwangsstörungen und Depressionen 4. Hustenstiller und Schmerzmittel z.B. bei Reizhusten oder bei Schmerzen infolge von Krankheiten, Verletzungen oder auch nach Operationen.

Falscher Gebrauch

Die Kombination von Medikamenten mit andern Drogen (z.B. Alkohol) oder auch die gleichzeitige Einnahme unterschiedlicher Medikamente kann zu unvorhersehbaren Wirkungen führen. Dies kann unter Umständen sogar tödlich sein, wenn z.B. Ecstasy oder bestimmte Antidepressiva mit sogenannten MAO-Hemmern kombiniert werden. Stark beruhigend oder schlaffördernd wirkende Medikamente wie die oben erwähnten Benzodiazepine oder Schmerzmittel haben in allen Situationen, in welchen das eigene Reaktionsvermögen (Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit) wichtig sind, nichts verloren (z.B. Straßenverkehr, Schule, Arbeit). Ein falscher Gebrauch liegt auch dann vor, wenn Tabletten klein gebröselt werden um sie zu Schniefen, zu rauchen oder gar zu spritzen (dafür sind sie einfach nicht gedacht!). Tabletten enthalten sogenannte Füllstoffe, die beim Spritzen tödlich sein können.

Problematischer Gebrauch

Bei täglichem oder fast täglichem Konsum steigt das Risiko, dass jemand in unpassenden Situationen unter dem Einfluss der Droge steht (z.B. in der Schule oder im Straßenverkehr). Erlebt jemand negative Effekte des Konsums wie z.B. Konzentrations- und Lernschwierigkeiten, Müdigkeit, Konflikte mit anderen Menschen (Eltern, Lehrer, Freunde usw.), Schlafstörungen oder auch körperliche Beeinträchtigungen infolge des Konsums von Medikamenten und konsumiert dennoch weiter, so ist das ebenfalls ein problematischer Gebrauch und weist möglicherweise auf eine beginnende Abhängigkeit hin.

Zahlen zum Konsum von Medikamenten*

Mindestens einmal im Leben haben 2,9 % der Schülerinnen und Schüler Beruhigungs- oder Schlafmittel ohne ärztliche Verschreibung eingenommen, etwas mehr Mädchen (3,0 %) als Jungen (2,7 %). Der Großteil der 15/16-jährigen Schülerinnen und Schüler haben aber verschreibungspflichtige Beruhigungs- und Schlafmittel nicht häufiger als 5-mal konsumiert.
* Quellen: ESPAD (Kraus et al. 2008)

Safer Use Hinweise und weitere Informationen:

http://www.dhs.de/web/daten/DHS_Basisinfo_Medikamente_10_05.pdf

Zu Benzodiazepinen gibt es hier weitere Informationen:
http://www.suchtzentrum.de/drugscouts/dsv3/stoff/benzodiazepine.html

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