Schnüffelstoffe

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Der Begriff „Schnüffelstoffe“ bezieht sich auf das „Schnüffeln“ also Einatmen beziehungsweise Inhalieren von Gasen und sogenannten Aerosolen (Mischungen aus festen/flüssigen Teilchen mit Druckluft), wie sie in Spraydosen verwendet werden. Schnüffelstoffe finden sich in ganz verschiedenen chemischen Produkten wie Lösungsmittel (Klebstoffe, Farben und Lackverdünner, Benzin), Spraydosen (Aerosole wie Lackspray oder Enteisungsmittel) und schließlich auch medizinische Produkte (Ether, Lachgas oder Medikamente zur Behandlung der Angina Pectoris). Schnüffelstoffe werden selten direkt aus der Flasche oder Spraydose inhaliert sondern in Tüten umgefüllt oder auf Tücher gegeben, welche dann über Mund und Nase zur Inhalation (Einatmen) benutzen werden. Die meisten dieser Stoffe sind legal (gesetzlich erlaubt) aber einige unterliegen auch dem Arzneimittelrecht, (z.B. Amylnitrit in der Szene „Poppers“ genannt) und werden daher als Medikamente verkauft. Der Gebrauch von Schnüffelstoffen zum Erzeugen eines Rauschs war schon vor über 100 Jahren bekannt. Damals wurden vor allem Lachgas, Äther oder Chloroform als rauscherzeugende Drogen benutzt.

Wirkungen & Risiken

Da es sich bei Schnüffelstoffen um chemisch betrachtet ganz unterschiedliche Stoffe handelt, ist es schwierig allgemeingültige Aussagen über die Wirkungen und Risiken zu machen. Dennoch soll hier ein kurzer Überblick gegeben werden:
Wie bei allen Drogen ist die Wirkung abhängig von der Dosis (wie viel wird genommen?), Wirkstoffgehalt (wie stark ist es?), Gewöhnung des Konsumenten (wie viel jemand verträgt) aber auch vom Umfeld des Konsums (zuhause, in der Disco, alleine oder mit anderen zusammen usw.) und der psychischen Verfassung (z.B. momentane Stimmung). Die Dauer der Wirkung hält, abhängig von der Dosis und weiteren Aspekten, von einigen Minuten bis zu einer halben Stunde an. Es kann sein, dass es vor dem eigentlichen Rausch zu starker Übelkeit und Erbrechen kommt. Typische Effekte unmittelbar nach dem Inhalieren sind: Euphorie (Glücksgefühle), Gefühl der Schwerelosigkeit, Enthemmung (Verringerung von Angst; gesteigertes Selbstwertgefühl), Veränderungen der Wahrnehmung (des Sehens, Hörens und der Körperwahrnehmung), mehr oder weniger starke Benommenheit bis zu schlafähnlichen Zuständen. Zu den unmittelbaren körperlichen Nebenwirkungen gehören: Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstlosigkeit, Gangstörungen („Herumtorkeln“, Schwankender Gang, Stürze). Viele Schnüffelstoffe (dies gilt nicht für Lachgas) haben extrem schwere körperliche Schädigungen zur Folge, wenn diese Substanzen regelmäßig konsumiert werden. Hierzu gehören: Verätzungen der Haut, Krebs, Lungen-, Leber- und Nierenschäden, Schädigungen des Gehirns und der Nerven. Bei besonders riskanten Konsumformen kann es zudem zu unmittelbaren körperlichen Schädigungen kommen: Wird direkt aus der Spraydose oder Gaskapsel inhaliert, so können Erfrierungen an Haut und Organen auftreten. Werden Plastiktüten zum Einatmen benutzt oder gar über den Kopf gestülpt, besteht die Gefahr von Atemlähmungen, Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod durch Ersticken.
Manche dieser Körperschädigungen (z.B. Hirn- und Nervenschädigungen) sind nicht mehr rückgängig zu machen! Schnüffelstoffe machen beim häufigeren Konsum abhängig.

Schnüffelstoffe und Straßenverkehr

Schnüffelstoffe schränken die Fahrtauglichkeit ein. Es kann bei Verdacht auf einen Konsum solcher Stoffe eine MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) angeordnet werden.

Wie bei jeder Droge gibt es auch für Schnüffelstoffe verschiedene Umgangsformen damit:

Formen von kontrolliertem und medizinischem Gebrauch

Lachgas (Distickstoffmonoxid) wird als Narkosemittel und Amyl-/Butylnitrit als Medikament bei Angina pectoris in der Medizin verwendet.
Außerhalb der medizinischen Verwendung zählt zu dieser Kategorie auch ein gelegentlicher Konsum von Lachgas wie er beispielsweise in der Rave-Szene verbreitet ist, solange damit keine negativen gesundheitlichen oder sozialen Folgewirkungen verbunden sind. Allerdings besteht bei nicht-medizinischen Produkten die Gefahr der Verunreinigung aufgrund fehlender vergleichbarer Qualitätskontrollen.
Aufgrund der starken Giftigkeit organischer Lösungsmittel wie sie in Verdünnern oder Klebstoffen enthalten sind, kann es keinen unproblematischen Konsum dieser Stoffe geben.

Problematischer Gebrauch

Besonders riskante Konsumformen sind das direkte Einatmen aus Spraydosen oder Gaskapseln sowie das Benutzen einer Tüte/Ballon aus welchen wiederholt ein- und ausgeatmet wird. Wird der gesamte Kopf in eine Tüte gesteckt, besteht Erstickungsgefahr!

Jeder regelmäßige oder gar gewohnheitsmäßige Konsum. Manche Schnüffelstoffe enthalten extrem giftige oder krebserzeugende Substanzen (z.B. Toluol in Lösungsmittel oder Benzol in Benzin). Jeder Gebrauch solcher Substanzen als Droge ist als problematisch anzusehen.

Zahlen zum Konsum von Schnüffelstoffen*

Jeder zehnte Schüler (knapp 12%) im Alter von 15 bis 16 Jahren hat schon einmal Schnüffelstoffe ausprobiert. Etwa 80% der Befragten haben diese Droge nicht häufiger als fünfmal in ihrem Leben konsumiert.
Die meisten Konsumenten stellen den Konsum nach wenigen Versuchen wieder ganz ein.

* Quellen: ESPAD (Kraus et al. 2008); An Instructor’s Guide to Drugs (Boehmer et al., 2005)

Safer Use Hinweise und weitere Informationen

http://www.suchtzentrum.de/drugscouts/dsv3/stoff/schnueffelstoffe.html

Broschüre der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA):
http://www.sfa-ispa.ch/DocUpload/di_schnueffeln.pdf

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