Glück

Was immer geschieht, an uns liegt es, Glück oder Unglück darin zu sehen.

– Anthony de Mello

Schon immer streben Menschen nach Glück. Glück ist nicht nur ein Gefühl, sondern ein situationsübergreifender Zustand. Es gibt sogar wissenschaftliche Glücksforschung. Sie beschäftigt sich damit, was die meisten Menschen eher glücklich oder unglücklich macht.

Zwei wichtige Eigenschaften von Glück sind:

  1. Glück kann für jeden etwas anderes sein.
  2. Menschen können lernen, Glück in einfachen Dingen zu sehen.

Warum ist Glück so wichtig?

Mehrere Studien kommen zu dem Schluss, dass glückliche Menschen etwa 14 Prozent länger als Personen leben, die sich selbst als unglücklich bezeichnen. Glückliche Menschen werden außerdem seltener krank und wenn doch, dann sind sie schneller wieder gesund. Das liegt an dem Zusammenhang zwischen Glücksgefühlen und einem stärkeren Immunsystem. Psychisch betrachtet steigert Glück das Selbstwertgefühl, die Kreativität und die allgemeine Leistungsbereitschaft.

Um diese positiven Auswirkungen selbst nutzen zu können, macht es Sinn, die subjektive Seite von Glück zu erforschen, also herauszufinden, was einen selbst glücklich macht.

Exkurs: Glücksforschung

In der Philosophie und Theologie wurde Glück schon lange thematisiert. Vom Standpunkt dieser Disziplinen betrachtet, stellt es einen Wert dar, an dem Menschen sich orientieren. Dementsprechend richten sie ihr Handeln und Streben aus. Dazu muss man erst einmal feststellen was das „Menschsein“ ausmacht und diejenigen geistigen und moralischen Güter bestimmen, die das höchste Ausmaß des Glücks gewährleisten (vgl. Hettlage R. (2010), S.12-18). Inzwischen ist die Perspektive der Philosophie und Theologie in den Hintergrund gerückt (vgl. Bellebaum A. (2010, S.61). Das beruht darauf, dass die empirische Glücksforschung vor allem in den Bereichen der Psychologie, Soziologie, Politik und sogar in der Wirtschaftswissenschaft Fuß gefasst hat. Es scheint einen großen Bedarf zu geben, herauszufinden, was Glück eigentlich ist und wie man dieses Gefühl bzw. diesen Zustand erlangt. Die Auffassungen was Glück bedeutet sind teilweise sehr unterschiedlich. Für manche bedeutet Glück Selbsterfüllung und Zufriedenheit, sowie handeln nach den höchsten moralischen und geistigen Werten. Für andere ist das individuelle Glück nicht trennbar von anderen Menschen und der Gesellschaft. Für wiederum andere bedeutet glücklich sein die Befriedigung der menschlichen Triebe. Festzuhalten ist jedenfalls, dass sich Menschen schon bis in die Anfänge ihrer Entstehungsgeschichte mit dem Glück befassen und danach streben (vgl. Bellebaum A. (2010), S.35-53).

Was ist nun aber Glück?

Einfach gesagt „[ist] Glück das, was sich Menschen/Gesellschaften/Kulturen/ Schichten/…unter Glück vorstellen.“ (ebd. S.53)

Jedenfalls musst du dabei aufpassen dich nicht zu sehr in die Suche nach Glück hineinzusteigern, da dies oft zum Scheitern führt und in Frustration endet (vgl. Bellebaum A. (2010), S.69). Interessant ist auch, dass Macht und Wohlstand allein nicht glücklich machen, dies zeigt die gesellschaftliche Entwicklung und Erfahrung (vgl. Hossenfelder M. (2010), S. 90). Glück ist sehr individuell und spiegelt sich in deinem Verhalten, Denken und in den Zielen, die du täglich für dich formulierst, wider. Wichtig ist dabei, dass jeder Mensch seine eigenen Bedürfnisse, Werte, Interessen, Fähigkeiten und Wünsche hat. Deshalb gibt es auch keine allgemein gültige Strategie den Zustand des glücklich Seins zu erreichen (Schaaff H. (2010), S. 267).

„Die Sehnsucht nach einem erfüllten, glücklichen Leben […] ist genauso universell wie viele der Zutaten, die das Glück ermöglichen.“ (ebd., S. 266)

Martin Seligmann, ein Pionier auf dem Gebiet der Positiven Psychologie, stellt in seinem Werk „Der Glücks-Faktor“ folgende Theorie des authentischen Glücks auf: Man kann Glück messbar machen durch die Analyse dreier Elemente, die man ihrer selbst willen wählt. Zu diesen zählen ein positives Gefühl, Engagement und Sinn. Er ist der Auffassung, dass man zuerst positive Gefühle hat, wie Lust, Ekstase, Wärme u.ä.. Diese können auch ohne große Anstrengung hervorgerufen werden. Das zweite Element Engagement beschreibt er als „Flow“, in dem man in seinem Tun die Zeit und das Ichbewusstsein vergisst und sich ganz auf die Sache selbst konzentriert. Für den Zustand des „Flows“ gibt es keine Abkürzung, er bedarf viel Anstrengung. Dazu muss man wissen welche die eigenen größten Stärken sind und lernen diese öfter einzusetzen. Zuletzt muss man aber einen Sinn und Bedeutung in seinem Tun sehen (vgl. Seligmann M. (2012)).

Reflektiere doch einmal in welchen Momenten du glücklich bist. Wann fühlst du dich einfach nur gut, kannst alles um dich herum vergessen und dich auf das Gegenwärtige fokussieren?

 

Wie könnt ihr euer Glück stärken?

Laut Experten der Amerikanischen Psychologischen Gesellschaft kommt es auf bestimmte Faktoren an, um langfristig glücklicher zu werden:

  1. Gute Beziehungen zu Angehörigen, Freunden und anderen pflegen
  2. Sich realistische Ziele setzen und sie ansteuern
  3. Problemen nicht aus dem Weg gehen
  4. Schicksalsschläge als Chance dafür nutzen, das eigene Selbst zu stärken
  5. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken
  6. Auch bei extrem belastenden Ereignissen die langfristige Perspektive im Blick behalten
  7. Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen

(vgl. Schneider A. G. (2017))

Fordyce beschreibt 14 Grundsätze für ein glückliches Leben:

  • Werden Sie aktiv!
  • Verbringen Sie mehr Zeit mit anderen!
  • Seien Sie produktiv bei sinnvollen Tätigkeiten!
  • Werden Sie besser im Organisieren und Planen!
  • Reduzieren Sie Ihre Sorgen!
  • Vermindern Sie Erwartungen und Hoffnungen!
  • Lernen Sie, positiver und optimistischer zu sein!
  • Leben Sie mehr im Hier und Jetzt!
  • Entwickeln Sie eine gesündere Persönlichkeit!
  • Entwickeln Sie eine aufgeschlossenere und soziale Persönlichkeit!
  • Seien Sie Sie selbst!
  • Verringern Sie negative Gefühle und Probleme!
  • Erkennen Sie enge Beziehungen, die entscheidend für Glück sind!
  • Machen Sie Glück zu Ihrer wichtigsten Lebenspriorität!

(vgl. Lang J. und Schmitz B. (2018), S. 5).

–        Die meisten Menschen machen das Glück zur Bedingung. Aber das Glück findet sich nur ein, wenn man keine Bedingungen stellt. Artur Rubinstein (Stangl, 2018).

Literaturnachweis

Bellebaum A (2010). Die Glücksforschung kommt voran. In: Bellebaum A., Hettlage R. (eds) Glück hat viele Gesichter. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S.61.

Hettlage R. (2010). Das Prinzip „Glück“. In: Bellebaum A., Hettlage R. (eds) Glück hat viele Gesichter. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S.12-18.

Hossenfelder M. (2010). Philosophie als Lehre vom glücklichen Leben. In: Bellebaum A., Hettlage R. (eds) Glück hat viele Gesichter. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 90.

Lang J. und Schmitz B. (2018). Lebenskunst – was ist das und warum ist es lohnend, sich damit zu befassen?. In: Psychologie der Lebenskunst. Lang J., Linten J. und Schmitz B. (Hrsg). Berlin: Springer Verlag, S. 5.

Schaaff H. (2010). Historische Lehren für eine ökologische Glücksökonomie. In: Bellebaum A., Hettlage R. (eds) Glück hat viele Gesichter. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 266.

Seligmann M. (2012). Flourish – Wie Menschen aufblühen – Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens. München: Kösel-Verlag.

Schneider A. G. (2017). Glückliche Menschen sind gesünder und leben länger. Stimmt das? Wie sich Zufriedenheit und Gesundheit gegenseitig beeinflussen. In Apotheken Umschau, aktualisiert am 20.03.201.

Stangl, W. (2018). Stichwort: ‚Glück‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. http://lexikon.stangl.eu/16980/glueck/ (2018-11-21)